Kurzarbeit während der Corona-Krise Gehälter, Urlaubsanspruch und Überstunden

In Deutschland haben allein aufgrund der Corona-Krise rund 500.000 Unternehmen offiziell Kurzarbeit angemeldet. Das bedeutet nicht nur Ungewissheit über die Zukunft der Unternehmen, sondern vor allem auch Ungewissheit für vielen Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Was genau die Kurzarbeit für sowohl Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer bedeutet haben wir hier einfach zusammengefasst.

Kurzarbeit
Verfasst von: Redaktion | Artikel vom: 17.04.2020 | Aktualisiert am: 17.04.2020

Kurzarbeit und was es wirklich bedeutet

Kurzarbeit muss zuallererst offiziell gemeldet werden und bereits dafür müssen bestimmte Abläufe eingehalten werden. Auch wenn die Kurzarbeit angemeldet wurde, heißt es noch lange nicht, dass diese dann auch wirklich durchgeführt werden muss. Wie du siehst gibt’s wirklich einige Informationen zur Kurzarbeit, die aktuell von Vorteil sind zu kennen. Und genau hier liefern wir dir diese Informationen.

Die aktuelle Lage in Deutschland und der ganzen Welt ist aufgrund des sich noch immer ausbreitenden Coronavirus hochangespannt und steht unter enormem Druck. Auch wir von ALPHAJUMP versuchen einen wirklich kleinen und bescheidenen Teil im Kampf gegen das Virus beizutragen. Deshalb haben wir eine Corona-Infoseite mit Tipps zu aktuellen Informationen über COVID-19 und dessen Einfluss auf Deine Jobsuche eingerichtet.

1. Definition: Kurzarbeit

Was ist Kurzarbeit?

Kurzarbeit bedeutet, dass in einem bestehenden Arbeitsverhältnis die regelmäßigen Arbeitsstunden vorübergehend verringert werden, wenn ein erheblicher Arbeits- oder Auftragsmangel vorliegt. Sie kann jedoch erst dann angemeldet werden, wenn der Arbeitgeber alles getan hat, um Arbeitsausfall in seinem Betrieb zu vermeiden, zum Beispiel mit dem Abbau von Überstunden.

2. Wie funktioniert Kurzarbeit?

Kurzarbeit kann nicht einfach so angeordnet werden. Der Arbeitgeber muss hierfür eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat treffen. Gibt es keinen Betriebsrat, bedarf es der Zustimmung jedes einzelnen Mitarbeiters.

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Durch die verkürzte Arbeitszeit steht dem Arbeitnehmer nur noch ein geringeres Gehalt zu, das an die neue Stundenzahl angepasst wird. Die Differenz wird mit Kurzarbeitergeld ausgeglichen, allerdings nur zu 60% - bzw. zu 67% bei Eltern.

Derzeit darf Kurzarbeit über einen Zeitraum von 12 Monaten angeordnet werden.

Häufig gestellte Fragen zu Kurzarbeit während Corona

  • Wie wird Kurzarbeitergeld versteuert?

    Da es, genau wie Arbeitslosen- oder Elterngeld, eine Leistung vom Staat ist, muss darauf keine Einkommensteuer gezahlt werden.

  • Wer zahlt was bei Kurzarbeit?

    Der Arbeitgeber zahlt den verringerten Lohn und die Agentur für Arbeit zahlt 60% der Differenz zum eigentlichen Gehalt. Bei Eltern 67%.

  • Kann der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen?

    Nicht einfach ohne Weiteres. Zuerst muss der Arbeitgeber alles tun, um Kurzarbeit in seinem Betrieb zu verhindern. Schafft er das nicht, muss er eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat treffen. Sollte es in dem Unternehmen keinen Betriebsrat geben, muss jeder einzelne Mitarbeiter zustimmen.

  • Welche Voraussetzungen gibt es für Kurzarbeit?

    Kurzarbeit darf nur bei Nachweis von erheblichem Arbeitsausfall beantragt werden, nachdem der Arbeitgeber alles versucht hat, um diesen abzuwenden. Durch die gelockerten Bedingungen vom 01.03.2020 ist es Unternehmern erlaubt, dies bereits zu tun, wenn nur 10% ihrer Mitarbeiter vom Arbeitsausfall betroffen sind. Normalerweise lag die Grenze bei 2/3 der Belegschaft.

  • Kann man in der Kurzarbeit gekündigt werden?

    Auch während der Kurzarbeit ist eine Kündigung möglich. Sofern es sich um eine betriebsbedingte Kündigung handelt, müssen neben der Kurzarbeit aber noch weitere Argumente hinzukommen.

  • Wie lange darf man Kurzarbeit machen?

    Aktuell beträgt die Höchstdauer von Kurzarbeit 12 Monate.

  • Wie viel Lohn bekommt man bei Kurzarbeit?

    Der Lohn wird der gekürzten Stundenzahl angepasst. Werden die Stunden beispielsweise um 50% gekürzt, verringert sich auch der Bruttolohn um 50%. 60% der Differenz zum eigentlichen Bruttolohn werden mit Kurzarbeitergeld aufgefüllt. Bei Eltern 67%.

2.1 Stundenzahl bei Kurzarbeit

Die Stundenzahl der Festangestellten kann an die Auftragslage angepasst werden. Bei Teilzeitkräften, die ja von vornherein eine verkürzte Arbeitszeit haben, steht es dem Arbeitgeber frei ob er sie zusätzlich verkürzt oder nicht. Generell ist es keine Pflicht alle seine Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, wenn man sie angemeldet hat. Es reichen die, die einen tatsächlichen Arbeitsausfall haben.

Kommt es bei Personen, die sich in Altersteilzeit befinden, zu Kurzarbeit, muss das reduzierte Arbeitsvolumen nachgeholt werden. In diesem Fall hat Kurzarbeit eine langfristige Wirkung.

2.2 Urlaub für Kurzarbeiter

Generell ist es einem Angestellten möglich Urlaub während der Kurzarbeit zu beantragen. Da das Urlaubsentgelt wie üblich ausfallen muss, erhält man in dieser Zeit kein Kurzarbeitergeld. Allerdings kann es sein, dass sich der Urlaubsanspruch des aktuellen Jahres aufgrund der verkürzten Arbeitszeit entsprechend verringert.

Was Resturlaub aus dem Vorjahr angeht, muss dieser erst genommen werden ehe Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen werden kann. Es sei denn, es gibt vorrangige Urlaubswünsche des Mitarbeiters zur Nutzung der Resturlaubstage.

2.3 Überstunden während der Kurzarbeit

Eine offizielle Anordnung von Mehrarbeit ist nur in besonderen Fällen, wie dringenden Reparaturen, ausnahmsweise zulässig. Der Arbeitgeber ist dann dazu verpflichtet diese Überstunden direkt mit dem nächsten Gehalt auszuzahlen, sodass sich das Kurzarbeitergeld anteilig verringert.

2.4 Neue Regeln für Kurzarbeit

Um Arbeitnehmer vor möglichen Entlassungen während der Corona Pandemie zu schützen hat der Bundestag die Bedingungen zur Kurzarbeit bzw. zum Kurzarbeitergeld erleichtert. Dadurch ist es Betrieben jetzt schon möglich Kurzarbeitergeld zu nutzen, wenn 10% der Belegschaft unter Arbeitsausfall leiden. Ebenso darf es jetzt für Leiharbeiter in Anspruch genommen werden. Außerdem müssen Arbeitgeber keine Sozialabgaben auf die entfallenen Entgelte zahlen, da das die Bundesagentur für Arbeit übernimmt. So werden die Unternehmen finanziell etwas entlastet.

2.5 Kurzarbeit wegen Corona

In Zeiten der Coronakrise müssen Unternehmer schauen wie sie ihre Betriebe über Wasser halten können, ohne insolvent zu gehen. Deshalb haben bereits ca. eine halbe Million Betriebe die Kurzarbeit angemeldet, um finanziell entlastet zu werden. Allein in der Metallindustrie werden wohl bis Ende April 2,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit geschickt. Die Unternehmen dieser Branche sind aktuell noch geringer ausgelastet als am Tiefpunkt der Finanzkrise 2009.

Trotz finanzieller Belastungen scheuen viele Arbeitgeber zum Glück noch vor Entlassungen zurück. Nach der damaligen Finanzkrise konnten viele Unternehmen ihre Produktion wieder hochfahren und mussten sich nicht mit der Suche nach neuem Personal und dessen Einarbeitung beschäftigen.

2.6 Kurzarbeit für Auszubildende

Normalerweise sind Auszubildende nicht von Kurzarbeit betroffen, da der Betrieb dazu verpflichtet ist die Lehre zu ermöglichen. Im speziellen Fall von Corona haben viele Unternehmen jedoch keine andere Wahl. In diesem Fall wird dem Azubi mindestens 6 Wochen lang sein übliches Gehalt gezahlt. Danach erhält er Kurzarbeitergeld über die Agentur für Arbeit.

3. Kurzarbeitergeld (KUG)

Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld dient dazu Betriebe in wirtschaftlichen Notlagen finanziell zu unterstützen, um Kündigungen der Mitarbeiter zu vermeiden. Sobald ein Unternehmen die Voraussetzungen für Kurzarbeit erfüllt, werden die Gehälter der Angestellten zu 60% (bei Eltern zu 67%) mit KUG aufgestockt. Ein Anspruch besteht allerdings nur für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, die Geldeinbußen von mehr als 10% haben. Selbstständige, geringfügig Beschäftigte (Minijobber bis 450 EUR), oder Rentner und Pensionäre haben keinen Anspruch.

Sollte dir dein neues Einkommen nicht reichen, um deine Lebenshaltungskosten zu decken, kannst du Hartz IV beantragen. Die Voraussetzungen für den Zugang wurden jetzt, während der Coronakrise, ebenfalls gelockert. Zusätzlich darf man bis Ende Oktober auch Geld dazuverdienen, wenn man in bestimmten Bereichen, wie dem des Gesundheitswesens, unterstützt. Hierbei gilt die Grenze des eigentlichen Nettoeinkommens. Bis dahin muss der zusätzliche Lohn nicht mit dem KUG verrechnet werden.

Obwohl einige Menschen es für unfair halten, gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze für Kurzarbeitergeld. Diese liegt in den alten Bundesländern bei 6.900 EUR und in den neuen bei 6.450 EUR Bruttolohn im Monat. Wenn ein Mitarbeiter trotz Kürzungen noch über der Grenze liegt, erhält er kein KUG.

Kurzarbeitergeld-Rechner

Mit Hilfe eines Kurzarbeitergeld-Rechners kannst du ganz einfach dein neues Nettogehalt berechnen lassen. Dazu musst du dein reduziertes Bruttogehalt eingeben und bekommst dann die Höhe deiner Zusatzleistung angezeigt. Auf dieser Seite des Handelsblatts wird dir sogar die Differenz zu deinem ursprünglichen Nettolohn berechnet.

4. Fazit

Da ein Großteil der Menschen Einbußen durch die Coronakrise und daraus resultierende Kurzarbeit erleidet, sollte uns allen daran gelegen sein diese schnellstmöglich zu überstehen. Dafür ist es wichtig sich an das Kontaktverbot und empfohlene Hygienemaßnahmen zu halten. Jeder der seine Arbeit zum Beispiel von zuhause aus erledigen kann, sollte ins Homeoffice gehen. Wenn du dich weiter informieren und wissen willst, was du dazu beitragen kannst, solltest du unsere Artikel zu Arbeiten im Homeoffice und Hygiene lesen.

Zum Abschluss noch ein Tipp für deine Jobsuche: Auf ALPHAJUMP kannst du dein kostenloses Job-Match erstellen und herausfinden, wie gut deine Kompetenzen zu deinem Traumjob matchen. Hier kannst Du dich kostenfrei registrieren und ganz bequem Jobanfragen von interessanten Arbeitgebern erhalten.

Quellen:

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