Vertrauensarbeitszeit was steckt hinter der flexiblen Arbeitszeit

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Vertrauensarbeitszeit? Oft genug wird die Vertrauensarbeitszeit dafür genutzt, um Mitarbeitern mehr Überstunden aufzudrücken. Aber nicht immer! Wir gehen dem Thema Vertrauensarbeitszeit auf den Grund.

Vertrauensarbeitszeit im Büro
Verfasst von: Redaktion | Artikel vom: 11.12.2017 | Aktualisiert am: 25.06.2018

Der Kerngedanke hinter einer Vertrauensarbeitszeit ist, statt den Arbeitnehmern feste Zeiten an einer festen Arbeitsstätte vorzugeben, sie ihre Arbeitszeit selbst einteilen und kontrollieren zu lassen. Im Vordergrund stehen die zu erledigenden Aufgaben und Ziele, wann (und wo) diese erledigt werden, rückt in den Hintergrund. Wir haben die wichtigsten Details für dich recherchiert.

1. Was bedeutet Vertrauensarbeitszeit?

  • Durch Vertrauensarbeitszeit sollen die Mitarbeiter Autonomie und Freiheit erhalten. Der Mensch wird als Ganzes betrachtet und nicht nur als Arbeitnehmer, der seine Arbeitszeit ableisten muss. Die festgelegte wöchentliche Arbeitszeit verteilen die Arbeitnehmer selbst.
  • Der Arbeitnehmer bringt dadurch viel mehr von seinen Ideen, Ansätzen und Lösungen ein, wodurch sich neue Wege erschließen, die Arbeitsergebnisse besser werden, Kreativität und Innovation gefördert werden. Selbstverständlich erhöht Vertrauensarbeitszeit auch die Arbeitgeberattraktivität, was die Gewinnung von qualifiziertem Personal erleichtert.
  • Der entscheidende Schritt zur Vertrauensarbeitszeit besteht daraus, das Kontrollieren einzustellen und den Mitarbeitern zu vertrauen. Das setzt eine gelebte, offene Unternehmenskultur voraus.
  • Der Wandel von einem kontrollierenden Arbeitgeber zu einem vertrauenden Unternehmen ist nicht von Heute auf Morgen zu schaffen. Sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte müssen lernen, mit den neuen Gegebenheiten umzugehen. Ziel der Vertrauensarbeitszeit ist nämlich nicht, dass die Mitarbeiter sich selbst ausbeuten, keinen Feierabend machen, Arbeit und Privates nicht mehr trennen können und für Überstunden keinen angemessenen Ausgleich bekommen.

2. Vorteile der Vertrauensarbeitszeit

  • Herr über die eigenen Zeit sein

    Die Mitarbeiter können ihre Zeit frei planen und so private und berufliche Verpflichtungen besser unter einen Hut bekommen. Sie können arbeiten, wenn sie wirklich leistungsfähig sind. Das reduziert unproduktive Leerlaufzeiten, die wenig einbringen. Das Potenzial der Mitarbeiter wird nicht mehr verschwendet, die Arbeit wird effizienter und die Mitarbeiter sind engagierter. Auf der anderen Seite können sie kurzfristig auf private Ereignisse reagieren, z. B. Arzttermine wahrnehmen, während sie normalerweise arbeiten müssten.

  • Vertrauensvolles Miteinander

    Die Mitarbeiter müssen mehr zum Team zusammenwachsen und sich inhaltlich und zeitlich absprechen und sich dabei auf Augenhöhe begegnen. Sie sitzen nicht mehr nur ihre Stunden ab, sondern versuchen, die gemeinsam gesuchten und gesteckten Ziele zu erreichen. Das wirkt sich positiv auf die Unternehmenskultur und das Arbeitsklima aus.

  • Arbeitgeberattraktivität verbessern

    Flexible Arbeitszeiten und ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld haben für viele Arbeitnehmer einen hohen Stellenwert und können ausschlaggebend für eine Jobannahme sein. Fachkräfte werden zukünftig immer mehr Anspruch auf Vertrauensarbeitszeit erheben.

  • Saisionale oder konjunkturellen Schwankungen begegnen

    Im Moment brummt der Laden? Kein Problem, dann können die Arbeitnehmer auch ein bisschen mehr arbeiten und im Gegenzug dann kürzere Arbeitszeiten haben, wenn weniger los ist.

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3. Nachteile der Vertrauensarbeitszeit

  • Natürlich können durch die Vertrauensarbeitszeit auch Nachteile oder Risiken entstehen, die aber durch klare Kommunikation, Offenheit und Transparenz leicht aus der Welt zu schaffen sind:
  • Kosten für Qualifizierung und Umstellung.

    Mitarbeiter und Führungskräfte zu einer sich vertrauenden Einheit zu verschmelzen, braucht Zeit und Schulungen. Hierarchien werden durch die Vertrauensarbeitszeit aufgeweicht und es kann zu Konflikten zwischen den Mitarbeitern kommen.

  • Sich selbst ausbeutende Mitarbeiter.

    Es besteht die Möglichkeit, dass die Mitarbeiter, wenn sie feststellen, dass sie die Ziele in der vereinbarten Zeit nicht erreichen können, sich selbst unter Druck setzen und unbezahlt mehr arbeiten, anstatt sich vertrauensvoll an ihren Vorgesetzten zu wenden.

  • Ausnutzen der Vertrauensarbeitszeit.

    Vorgesetzte könnten befürchten, dass die Mitarbeiter die Freiheit der Vertrauensarbeitszeit ausnutzen und generell weniger und nur noch nach Belieben arbeiten.

4. Rechtliche Aspekte der Vertrauensarbeitszeit

Für Vertrauensarbeitszeit gibt es im Gegensatz zu Vollzeit-, Teilzeit- oder Gleitzeitmodellen keine eigene rechtliche Regelung. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht zulässig ist oder nicht einige Bedingungen erfüllt werden müssen. In jedem Fall müssen die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) eingehalten werden, insbesondere was die maximale Arbeitszeit und die Pausen betrifft

  • Die Arbeitszeit darf auf höchstens 10 Stunden zuzüglich Pausen verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.
  • Bei mehr als 6 Stunden Arbeitszeit pro Tag, muss eine mindestens 30 minütige Ruhepause eingehalten werden.
  • Bei mehr als 9 Stunden Arbeitszeit pro Tag, muss eine mindestens 45 minütige Ruhepause eingehalten werden.
  • Die Ruhezeit zwischen den Arbeitszeiten muss mindestens 11 Stunden umfassen.

Die Erfassung der Arbeitszeit ist bei der Vertrauensarbeitszeit eigentlich nicht vorgesehen, denn es geht ja um Vertrauen und nicht um Kontrolle. Trotzdem kann die Arbeitszeitdokumentation aus betrieblichen Gründen notwendig sein. Ist ein Betriebsrat vorhanden, muss dieser nach § 80 Abs. 1 Nr. 1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) die Einhaltung aller zugunsten der Arbeitnehmer erlassenen Gesetze überwachen. Dazu müssen die Arbeitnehmer dem Betriebsrat u. a. Daten zur Verfügung stellen, aus denen der Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit sowie die Pausen-, Ausgleichs- und Ruhezeiten hervorgehen. Der Arbeitgeber ist dann verpflichtet, die wahrheitsgemäße Dokumentation der Arbeitszeiten sicherzustellen.

Mit der Vertrauensarbeitszeit sind natürlich gewisse Risiken verbunden, die sich zum Nachteil entwickeln können, wenn die Arbeitskultur nicht wirklich auf Vertrauen aufbaut ist. Der Arbeitnehmer wird nicht mehr als reine Arbeitskraft betrachtet, sondern als gesamter Mensch. Dadurch wird die Motivation und Innovationskraft erhöht und die Zusammenarbeit unter den Kollegen intensiviert. Aus diesen Gründen haben viele Unternehmen bereits die Vertrauensarbeitszeit im Rahmen der geltenden rechtlichen Möglichkeiten eingeführt, bei der die Mitarbeiter ihre fest zugeteilten Wochenstunden frei einteilen können. Vertrauensarbeitszeit kann allerdings auch ohne fest vereinbarte wöchentliche Stundenzahl umgesetzt werden.

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