Gehalt und Mindestlohn im Praktikum

Man soll Praxiserfahrung im Studium sammeln - da bietet sich ein Praktikum natürlich an. Aber wie sieht das aus mit den Gehaltsvorstellungen? Bekommt man überhaupt Geld im Praktikum und wenn ja, wie viel? Wir haben alle Antworten für Dich, die wichtig für dein Praktikum im Studium sind.

Praktikumsgehalt

Inhaltsverzeichnis:

  1. Gehalt im Praktikum: Überblick
  2. Pflichtpraktikum Gehalt
  3. Freiwilliges Praktikum Gehalt
  4. Wann wird im freiwilligen Praktikum der Mindestlohn gezahlt?
  5. Abschlussarbeit im Praktikum
  6. Praktikum nach dem Studium
  7. Überstunden im Praktikum
  8. Was musst du beachten?

Du möchtest während deines Studiums einen Einblick in eine bestimmte Branche bekommen oder als Absolvent bei einem Unternehmen einen Fuß in die Tür bekommen? Du befürchtest aber, dass du während eines Praktikums wenig oder sogar gar nichts verdienen und du deswegen nicht über die Runden kommen wirst?

1. Gehalt im Praktikum: Überblick

Das Wichtigste vorweg: Die meisten Praktika werden inzwischen bezahlt. Grundsätzlich sind Praktika dazu gedacht, etwas zu lernen und Berufspraxis zu sammeln, um so seine Fähigkeiten auszubauen. Natürlich spielt auch das Gehalt im Praktikum eine Rolle. Wir erklären dir, was du bei welcher Art von Praktikum verdienen kannst, was du beachten musst und auch, warum du ein unbezahltes Praktikum nicht umsonst machst.

  • Das durchschnittliche Praktikanten-Gehalt beträgt etwa 950,-- Euro im Monat.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen muss dein Praktikum nach Mindestlohn bezahlt werden.
  • Auch unbezahlte Praktika können sich positiv auf deine Finanzen auswirken.

Doch auch wenn du ein Praktikum ohne Vergütung machst, denk immer daran, dass du wertvolle Praxiserfahrung sammelst und dich mit dem Praktikum auf deine berufliche Zukunft vorbereitest.

2. Pflichtpraktikum Gehalt

Bei einem Pflichtpraktikum im Rahmen deines Studiums oder auch in einem Schülerpraktikum, egal ob einige Wochen oder als Jahrespraktikum, besteht kein Anspruch auf Bezahlung. Es ist Teil der Ausbildung. Ein Praktikum ohne Vergütung ist also rechtlich erlaubt. Das heißt aber nicht, dass ein Pflichtpraktikum nicht vergütet werden darf. Viele Arbeitgeber belohnen den Einsatz eines Praktikanten mit einer freiwilligen Vergütung. In den meisten Fällen wird einem Praktikanten, der kein Gehalt bekommt, wenigstens eine Aufwandsentschädigung gezahlt, die Fahrtkosten zum Betrieb werden übernommen oder man erhält ein (großzügiges) Abschiedsgeschenk.

3. Freiwilliges Praktikum Gehalt

Wenn du ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von bis zu drei Monaten begleitend zu deiner Hochschulausbildung absolvierst, giltst du nach § 22 Abs. 1, 3. MiLoG nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes. Bei solchen freiwilligen Praktika soll die Ausbildung im Vordergrund stehen. An gleicher Stelle wird auf § 26 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) verwiesen. Dort ist festgelegt, dass der Praktikant Anspruch auf eine Vergütung hat, die sich am Ausbildungsgehalt für einen den Tätigkeiten entsprechenden Ausbildungsberufs orientieren soll.

4. Wann wird im freiwilligen Praktikum der Mindestlohn gezahlt?

Natürlich wünschst du dir, im freiwilligen Praktikum wenigstens den Mindestlohn zu bekommen, aber für Praktikanten gelten Ausnahmen. Wie schon erwähnt, hast du im Pflichtpraktikum gar keinen Anspruch auf Bezahlung. Machst du jedoch ein freiwilliges Praktikum muss dir unter bestimmten Voraussetzungen der Mindestlohn bezahlt werden:

  • Das Praktikum muss länger als drei Monate dauern.
  • Du musst älter als 18 Jahre sein.
  • Bist du jünger als 18 Jahre, hast du grundsätzlich keinen Anspruch auf Mindestlohn, außer du hast bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung (§ 22 Abs. 2 MiLoG i. V. m § 2 Abs. 1 und 2 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)).

Wirst du nach Mindestlohn bezahlt, entspricht das bei einer 40-Stunden-Woche einem Bruttogehalt von über 1.500,-- Euro im Monat. Die genauen Rechtsvorschriften findest du im § 22 Abs. 1 Mindestlohngesetz (MiLoG).

Andere gesetzliche Gehaltsrichtlinien

Natürlich ist nicht nur das Mindestlohngesetz Rechtsgrundlage zur Bezahlung von Praktikanten. Häufig wird aufgrund anderer Rechtsgrundlagen, wie z. B. Tarifverträgen sogar noch mehr gezahlt. Für Praktikanten greift auch das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG), in dem u. a. die Weiterzahlung der Vergütung im Krankheitsfall des Praktikanten für die Dauer von 6 Wochen festgeschrieben ist. Nach § 611a Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ist der Arbeitgeber ist zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet. § 612 Abs. 2 BGB besagt, dass die übliche Vergütung als vereinbart anzusehen ist, wenn die Höhe der Vergütung nicht bestimmt wurde.

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5. Abschlussarbeit im Praktikum

In sehr vielen Studiengängen ist im letzten Semester ein Pflichtpraktikum mit daran anschließender Bachelorarbeit (oder auch Masterarbeit) vorgeschrieben. Einige Bachelor-Studiengänge und die meisten Master-Studiengänge sehen jedoch im letzten Semester die Abschlussarbeit ohne Pflichtpraktikum vor. Die Abschlussarbeit trotzdem mit starkem Praxisbezug in einem Unternehmen zu schreiben, ist allerdings sehr beliebt. Die bloße Anfertigung von studienbezogenen Abschlussarbeiten in einem Unternehmen stellt allerdings kein Praktikumsverhältnis im Sinne des § 26 BBiG dar, sofern sich der Studierende im Unternehmen keiner betrieblichen Tätigkeit unterzieht. Erstellst du deine Abschlussarbeit in einem Unternehmen, hast du nur Anspruch auf den Mindestlohn, wenn du der Definition des Praktikanten entsprichst: Nach § 22 Absatz 1 Satz 2 MiLoG ist nur derjenige Praktikant, der „… sich nach der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit unterzieht, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes oder um eine damit vergleichbare praktische Ausbildung handelt.“ Schreibst du deine Abschlussarbeit im Rahmen eines freiwilligen Praktikums in einem Unternehmen, entscheidet wieder die Dauer des Praktikums, welchen Anspruch auf Vergütung du hast:

  • Weniger als drei Monate Praktikumsdauer: Orientierung am Ausbildungsgehalt
  • Mehr als drei Monate Praktikumsdauer: mindestens Mindestlohn

6. Praktikum nach dem Studium

Wenn du dein Studium bereits beendet hast und einen Bachelor- oder einen Master-Abschluss hast, kann ein Praktikum dir die Türen zu einer gutbezahlten Festanstellung öffnen. Vergiss dabei aber nicht, dass du über eine wertvolle Qualifikation verfügst, die auch in einem Praktikum vergütet werden muss. Du solltest dich also nicht unbedingt auf ein unbezahltes oder unterbezahltes Praktikum einlassen - schließlich bist du auch auf eine Einnahmequelle angewiesen. Solltest du nach deinem Studium Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen und ein (unbezahltes) Praktikum annehmen wollen, muss dies mit dem Jobcenter abgeklärt werden.

  • Grundsätzlich wird es vom Jobcenter gerne gesehen, wenn sich ein Arbeitssuchender durch ein Praktikum auf dem neusten Stand halten und seine Kenntnisse erweitern möchte.
  • Wer ein Praktikum absolviert, steht der Vermittlung in den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Das ist der Grund, weshalb ein Praktikum genehmigt werden muss. Außerdem kann ohne Genehmigung des Jobcenters der Anspruch auf das ALG II verloren gehen - zumindest für die Zeit des Praktikums. Unter Umständen macht man sich sogar strafbar, wenn man dem Jobcenter ein Praktikum nicht anzeigt.
  • Für die Zeit des Praktikums wird zwischen dem Jobcenter und dem Praktikumsgeber ein Maßnahmenvertrag geschlossen. Dieser stellt andererseits sicher, dass der Arbeitslose sein ALG II weiter erhält und er andererseits beim Arbeitgeber gegen Arbeitsunfälle versichert ist. Damit handelt es sich bei dem Praktikum offiziell um eine Eingliederungsmaßnahme zur Eignungsfeststellung nach § 16 SGB II.
  • Zusätzlich zur Weiterzahlung der SGB II-Leistungen für die Dauer eines unbezahlten Praktikums, erstattet das Jobcenter auf Antrag die Fahrtkosten zur Praktikumsstelle und auch eventuell erforderliche Arbeitskleidung oder Arbeitsmittel, wenn diese nicht vom Arbeitgeber getragen werden.
  • Bei bezahlten Praktika wird die Praktikumsvergütung auf die SGB II-Leistungen angerechnet. Anrechnungsfrei hinzuverdienen darfst du aktuell, wie bei jeder anderen Beschäftigung im SGB II-Bezug, 165,-- EUR.
  • Sinngemäß gelten dieser Vorschriften auch, wenn du bereits Ansprüche auf Arbeitslosengeld I erworben hattest und dieses nach dem Studium beziehst. Die einzelnen Regelungen findest du dann im SGB III und dein Ansprechpartner ist die Agentur für Arbeit.

7. Überstunden im Praktikum

Ein Praktikant darf grundsätzlich nur acht Stunden pro Tag beschäftigt werden, in seltenen Fällen darf es Ausnahmen geben. Natürlich bleibt man auch als Praktikant einmal länger, allerdings sollte das nicht zur Gewohnheit werden. Grundsätzlich dürfen Praktikanten niemals unbezahlte bzw. mit Freizeit ausgeglichene Überstunden leisten. Mehrarbeit muss also bezahlt werden oder im gleichen Umfang „abgefeiert“ werden. Arbeitet ein Praktikant an einem Sonntag, muss der Arbeitgeber ihm innerhalb von zwei Tagen einen Ersatzruhetag einräumen. Auch die Arbeit an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, muss durch einen Ersatzruhetag beglichen werden – innerhalb von acht Wochen.

Lohnsteuer und Sozialversicherung

  • Für die Einkommensteuer gilt aktuell ein Grundfreibetrag für ledige Steuerpflichtige von insgesamt 8.354,- Euro im Jahr. Dieser Betrag verdoppelt sich bei verheirateten Personen im Rahmen der Zusammenveranlagung. Wenn Du dieses Einkommen am Ende des Jahres nicht überschritten hast, bekommst Du in einem Praktikum die aufgrund der Höhe deiner Vergütung einbehaltene Lohnsteuer über den Lohnsteuerjahresausgleich deines Arbeitgebers oder eine von dir zu erstellende Einkommensteuererklärung zurück. Natürlich kannst Du in deiner Einkommensteuererklärung auch Kosten, wie z. B. Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit dem Praktikum entstanden sind, in Abzug bringen. Solltest Du keine Kosten haben oder sie nicht nachweisen können, kannst Du in deiner Einkommensteuererklärung den sogenannten Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 EUR von deinen Einnahmen abziehen.
  • Ein Pflichtpraktikum, das du nach der Studien- oder Prüfungsordnung deiner Hochschule ableisten musst, ist sozialversicherungsbefreit, wenn du während des Praktikums an einer ordentlichen Hochschule eingeschrieben bist.
  • Freiwillige Praktika sind sozialversicherungspflichtig, wenn die Praktikantenvergütung die Geringfügigkeitsgrenze von 450,-- Euro überschreitet.

Wenn du dir unsicher bist, solltest du dich immer von einem Fachmann beraten lassen.

Urlaub im Praktikum

Auch beim Urlaubsanspruch im Praktikum gelten unterschiedliche Regelungen:

  • Wer als Praktikant nicht aktiv mitarbeitet, sondern nur die betrieblichen Abläufe kennenlernt, hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Urlaub.
  • Bei Pflichtpraktika unterliegst du keinem arbeitsrechtlichen Schutz und hast daher auch keinen Anspruch auf Urlaub.
  • Bei freiwilligen Praktika greift wie bei allen anderen Angestellten auch das Bundesurlaubsgesetz (BurlG). Das bedeutet, du hast Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr, also zwei Werktage pro Monat.
  • Wirst du nach einem Tarifvertrag bezahlt, ist darin auch dein Urlaubsanspruch geregelt.
  • Auch Minderjährige haben nach dem JArbSchG Anspruch auf Urlaub: 15- bis 17-Jährigen stehen gestaffelt nach ihrem Alter demnach 30 bis 25 Tage bezahlter Urlaub im Jahr zu.

8. Was musst du beachten?

  • Wenn du ein Praktikum machen möchtest, frag spätestens im Vorstellungsgespräch nach dem Gehalt.
  • Wenn du Bafög bekommst und/oder deine Eltern für dich Kindergeld beziehen und du ein bezahltes Praktikum machst, erkundige dich bitte beim Bafög-Amt bzw. der Familienkasse der Agentur für Arbeit, welche Auswirkungen dein Praktikumsgehalt auf diese Zahlungen hat und was in deinem speziellen Fall zu beachten ist.
  • Wenn du Student bist, erkundige dich bitte auch bei deiner Krankenversicherung, welche Auswirkungen dein Praktikumsgehalt auf deinen Krankenversicherungstarif hat.
  • Unter Umständen wirst du durch dein Praktikum einkommensteuer- und sozialversicherungspflichtig. Dein Praktikumsbetrieb kann dir genauere Informationen dazu geben.

Ein Praktikum ist nie umsonst. Selbst wenn du ein Praktikum ohne Gehalt annimmst, wirst du viele Erfahrungen dadurch gewinnen. Ein Praktikum – egal welcher Art – kann ein großer Pluspunkt bei deinem Karriereeinstieg sein.

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