Lohnfortzahlung im Krankheitsfall Lohnfortzahlung Informationen für Arbeitnehmer

Was passiert mit dem Gehalt im Krankheitsfall? Wird ein Arbeitnehmer krank, scheint es im ersten Moment ungewiss wie Stromrechnungen oder Einkäufe weiter bezahlt werden sollen. Im Falle von Arbeitsunfähigkeit sind Arbeitnehmer in Deutschland jedoch gut aufgestellt. Weitere Infos findest du hier bei ALPHAJUMP.

Lohnfortzahlung
Verfasst von: Redaktion | Artikel vom: 09.04.2020 | Aktualisiert am: 09.04.2020

Lohnfortzahlung – Arbeitsunfähigkeit, Meldepflicht, Corona

Verträge halten schriftlich fest, welche Regeln bei einem Krankheitsfall eintreten. Bist du für einen längeren Zeitraum krankgeschrieben, steht dir Entgeltfortzahlung zu. Als Arbeitnehmer hast du Rechte und Pflichten und musst dabei verschiedene Dinge beachten. Hier erfährst du alles über das Konzept der Lohnfortzahlung.

Kurzinfo zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

  • Wie lange zahlt der Arbeitgeber, wenn man krank ist?

    Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen oder insgesamt 42 Tage lang Geld. Dieser Betrag entspricht dem monatlichen Gehalt des erkrankten Arbeitnehmers.

  • Was bedeutet Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?

    Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bedeutet, dass alle Arbeitnehmer während ihrer Krankheit für die Dauer von bis zu sechs Wochen Anspruch auf Entgelt haben. Dadurch sind sie finanziell abgesichert. Der Betrag richtet sich nach dem Gehalt des Arbeitnehmers. Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld.

  • Wer bezahlt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

    Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird in den ersten sechs Wochen vom Arbeitgeber bezahlt. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger an, übernimmt die Krankenkasse und zahlt Krankengeld bis zu 78 Wochen.

  • Wie viel zahlt die Krankenkasse nach 6 Wochen?

    Nachdem der erkrankte Arbeitnehmer sechs Wochen vom Arbeitgeber unterstützt wurde, zahlt die Krankenkasse 70 Prozent des monatlichen Gehalts an den Arbeitnehmer.

1. Überblick: Lohnfortzahlung

Unter einer Lohnfortzahlung versteht man eine ohne Unterbrechung weiterführende Zahlung des monatlichen Gehalts. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird offiziell auch Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall genannt. Alle rechtlichen Regelungen sind im Entgeltfortzahlungsgesetz, kurz EntgFG, festgelegt.

Im Falle von Krankheit und Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitgeber weiterhin volles Gehalt zahlen. Der Anspruch an die Auszahlung erfolgt maximal für sechs Wochen. Grund der Lohnfortzahlung ist das gesicherte Einkommen des kranken Arbeitnehmers für die ersten sechs Wochen, um monatliche Fixkosten wie Miete, Versicherung und Lebensunterhaltungskosten zu decken.

2. Anspruch auf Lohnfortzahlung

Arbeitnehmer müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Lohnfortzahlung zu erhalten. So haben gesetzlich- oder privatversicherte Arbeitnehmer Anspruch auf eine Lohnfortzahlung. Privatversicherte zahlen in den meisten Fällen einen Zusatzbetrag an die Krankenkasse. Zusätzlich muss der Arbeitnehmer unverschuldet arbeitsunfähig geworden sein.

In Deutschland kann man während einer Krankheit in einem Zeitraum von bis zu sechs Wochen eine Entgeltfortzahlung erhalten. Den Anspruch haben nicht nur Vollzeitkräfte, sondern auch Teilzeitkräfte sowie Auszubildende. Ebenso können auch Ferienaushilfen, Praktikanten, Werkstudenten und Minijobber davon profitieren.

Wer genau arbeitsunfähig ist, entscheidet der individuelle Fall. Beispielsweise kann eine Bürokraft mit einer gebrochenen Hand trotzdem zur Arbeit erscheinen, da sie mit der gesunden Hand auf der Tastatur tippen kann. Hat sie jedoch einen Bandscheibenvorfall und muss den ganzen Tag liegen kann sie ihren Job, bei dem sie die meiste Zeit sitzt, nicht mehr wahrnehmen. So wird Heiserkeit bei Call-Center-Mitarbeitern zum Problem oder bei Bauarbeitern ein kaputtes Knie.

Voraussetzungen für die Entgeltfortzahlung

  • Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen
  • Arbeitsunfähigkeit beruht auf Krankheit
  • Unverschuldete Arbeitsunfähigkeit
  • Arbeitnehmer muss Arbeitsunfähigkeit im entsprechenden Feld vorweisen
  • Ausgenommene Entgeltfortzahlung bei Tätowierungen, Piercings, Schönheits-Operationen
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3. Berechnung der Entgelthöhe

Um die Entgelthöhe zu berechnen, wird das Lohnausfallprinzip angewandt. Dabei erhält der Arbeitnehmer laut § 4 Abs. 1a EntgFG die volle Vergütung, welche er beim Antreten der Arbeitsstelle erhalten hätte. Berücksichtigt werden regelmäßige Überstunden, die der Arbeitnehmer geleistet hat. Unregelmäßig anfallende Überstunden werden nicht berücksichtigt. Wird ein Arbeitnehmer nach Stunden bezahlt erfolgt die Lohnfortzahlung mit dem durchschnittlichen Monatsgehalt des Angestellten.

Feiertags- und Nachtzuschlag bleiben dem Arbeitnehmer erhalten. Da das Entgelt als Bruttoanspruch ausgezahlt wird, werden Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Der Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld entfällt ebenso.

4. Dauer der Lohnfortzahlung

Wenn ein Arbeitnehmer immer wieder an derselben Krankheit innerhalb von zwölf Monaten erkrankt, werden die Krankheitstage auf die sechs Wochen aufsummiert während weiter Lohn gezahlt wird. Mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses endet der sechswöchige Entgeltfortzahlungsanspruch, ausgenommen dem Arbeitnehmer wird gekündigt.

Da der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung nur bis zur sechsten Woche übernimmt, springt die Krankenkasse ab der siebten Woche ein und unterstützt den Arbeitnehmer finanziell durch Krankengeld. Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes. Bei ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit können gesetzlich Versicherte für dieselbe Krankheit innerhalb von drei Jahren bis zu 78 Wochen Krankengeld erhalten. Private Krankengeldversicherte müssen eventuell eine separate Krankengeldversicherung abschließen.

Tritt die Arbeitsfähigkeit eines Arbeitnehmers auch nach 78 Wochen nicht ein, kann dieser eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Entsteht eine Lücke zwischen der Stellung und der Bestätigung des Antrags, kann dank der „Nahtlosigkeitsregelung“ das Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit abgeschlossen werden. So kann der Arbeitnehmer sicherstellen, pausenlos finanziell unterstützt zu werden.

5. Meldepflicht des Arbeitnehmers

Wird ein Arbeitnehmer krank, hat er laut § 5 EntgFG zwei Pflichten zu erfüllen: Meldepflicht und Nachweispflicht.

In Verbindung mit der Meldepflicht muss der Arbeitnehmer, ob im Inland oder Ausland tätig, dem Arbeitgeber unverzüglich, am besten telefonisch und anschließend schriftlich, über seine Krankheit in Kenntnis setzen. Dieser Ablauf hilft dem Arbeitgeber möglichst schnell zu reagieren und die Arbeitsstruktur umzuorganisieren um eine Vertretung sicher zu stellen. Bist du gesetzlich versichert, solltest du deinen Krankheitsfall innerhalb einer Woche deiner Krankenkasse melden. Die Überschreitung der Woche könnte Nachteile bezüglich des Krankengeldes mit sich bringen.

Erfolgt durch eine medizinisch nicht notwendige Operation eine Folgeerkrankung, sind Ärzte verpflichtet diese bei der Krankenkasse zu melden.

Die Nachweispflicht erfolgt nicht nur im Falle einer langwierigen Krankheit. Der Arbeitgeber legt vertraglich fest, in welchem Zeitraum der Arbeitnehmer sich krankmelden muss. In manchen Firmen reicht es, sich erst ab dem dritten Tag krankschreiben zu lassen, in anderen Firmen wiederum wird eine Krankmeldung bereits am ersten Tag verlangt.

Der Arbeitnehmer muss vom Arzt eine schriftliche Krankmeldung, auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung genannt, beim Arbeitgeber einreichen. Dies kann persönlich, postalisch oder in manchen Firmen bereits online erfolgen. Vergisst der Arbeitnehmer das Einreichen der Krankmeldung, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern. Beweist der Arbeitnehmer jedoch, dass das verpflichtende Einreichen unverschuldet ist, kann er weiter Entgeltfortzahlung beantragen.

Auch die Einhaltung von Fristen ist wichtig. Wird die Krankschreibung zu spät eingereicht oder fehlt der Arbeitnehmer ohne Grund auf der Arbeit, verfällt möglicherweise der Anspruch.

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6. Lohnfortzahlung bei Corona

Eine besondere Situation tritt im Falle der Covid-19 Erkrankung auf. Erkrankt ein Arbeitnehmer an dem Virus wird er umgehend vom Arzt krankgeschrieben, da bei einem positiven Test der nächste Schritt einer zweiwöchigen Quarantäne des Arbeitnehmers Vorschrift ist.

Der Begriff Lohnfortzahlung greift bei Verdacht auf das Virus nicht. Stattdessen wird dem Arbeitnehmer eine Entschädigungszahlung ausgezahlt. Die Höhe definiert sich jedoch auch nach dem Lohnfortzahlungsprinzip: in den ersten sechs Wochen erhalten Arbeitnehmer die Höhe des Verdienstes bei Anwesenheit und ab der siebten Woche die Höhe des entsprechenden Krankengeldes. Dieser beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, jedoch nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Ausgezahlt bekommen Arbeitnehmer die Gehälter vom Arbeitgeber. Da der jedoch nicht zu viel finanziellen Verlust hat, erstattet laut Infektionsschutzgesetz § 56 Abs. 1 IfSG das Gesundheitsamt den vollen Betrag an den Arbeitgeber.

Weitere hilfreiche Informationen über die aktuelle Lage und Situation des Arbeits- und auch Bewerbermarktes findest du direkt auf den Corona-News von ALPHAJUMP.

7. Besonderheiten bei der Lohnfortzahlung

Tritt der Fall ein, dass die krankheitsbedingte Arbeitsverhinderung während der ersten vier Wochen oder nach dem Ende des Entgeltfortzahlungszeitraumes stattfindet, erhält der Arbeitnehmer als Lohnersatz von der Krankenkasse ein geringes Krankengeld.

Wirst du im Urlaub krank, kannst du die Anzahl der Krankheitstage bei einem Arzt mit einer Krankmeldung bescheinigen lassen. Mit dieser Krankmeldung hast du die Möglichkeit dir die Urlaubstage zurückzuholen, da du dich durch die Krankheit während des Urlaubs nicht entspannen konntest.

Beendet der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis, endet mit dem letzten Arbeitstag die Entgeltfortzahlung. Geht die Arbeitsunfähigkeit über das Ende des Arbeitsverhältnisses, verliert der Arbeitnehmer den Anspruch auf Fortzahlung. Auch hier gibt es Ausnahmen: Wurde das Verhältnis aufgrund der Krankheit durch den Arbeitgeber gekündigt, steht dem Arbeitnehmer die Fortzahlung weiter zu.

Auch bei der Regelmäßigkeit der Erkrankungen gibt es Besonderheiten. Wenn zwischen der letzten Arbeitsunfähigkeit und der erneuten Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Erkrankung mehr als sechs Monate liegen, muss der Arbeitgeber weitere sechs Wochen Entgeltfortzahlung leisten. Dabei ist es unwichtig, ob der Angestellte zwischenzeitlich wegen anderen Erkrankungen arbeitsunfähig war. Ein neuer Anspruch auf Lohnfortzahlung entsteht, wenn der Arbeitnehmer an einer neuen Krankheit erkrankt ist.

8. Fazit

  • Laut §3 EntgFG hat man als Arbeitnehmer bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Entgeltfortzahlung
  • Arbeitnehmer müssen mindestens vier Wochen im Unternehmen sein bevor die Lohnfortzahlung eintritt.
  • Bei Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitnehmer die Krankheit innerhalb von ein bis drei Tagen einreichen.
  • Die Lohnfortzahlung beträgt für die ersten sechs Wochen der Krankheit 100 Prozent des Arbeitnehmergehalts. Ab der siebten Woche entspricht das gezahlte Krankengeld 70 Prozent des Gehalts.
  • Krankheitstage, die im Urlaub auftreten, kann dich der Arbeitnehmer gutschreiben lassen, sodass die Urlaubstage nicht verloren gehen.
  • Erkrankt ein Arbeitnehmer an Corona hat dieser Anspruch auf Entschädigungszahlung.
Quellen:

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